Buchempfehlungen

Es liegt ein Monitor zur Lehrerbildung in Deutschland vor, veröffentlicht von der Bertelsmann Stiftung, Deutsche Telekomstiftung, dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Inhalte sind Studienverlauf, Studiengänge, Praxisbezüge, Verzahnung zwischen Studium und Referendariat einsehbar unter: www.monitor-lehrerbildung.de. Quelle: „Zeit“ 46/12.

Aus der Website des Monitors:

In jedem Land und an jeder Hochschule ist das Lehramtsstudium unterschiedlich geregelt – der Monitor Lehrerbildung stellt diese Vielfalt des Lehramtsstudiums, also der ersten Phase der Lehrerbildung, übersichtlich dar. Er bietet allen Interessierten kostenlose, aktuelle Informationen für faktenbasierte Diskussionen und Entscheidungen. Der Zugang zu den Daten kann über die neun relevanten Themen, über die Übersichten der landesweiten Regelungen oder die hochschulspezifische Ausgestaltung der Lehramtsstudiengänge erfolgen.

Für alle an Lehrerfortbildung Interessierte eine interessante Quelle.

Karl Hagemeister

Der Autor und die Autorin stellen ein Modell der effizienten Förderplanung vor. Beide arbeiteten bis zur Sommersemester 2012 am Heilpädagogischen Institut der Universität Flensburg.

 

Das Modell sieht drei Stufen vor:

1. Die Erfassung der Stärken des Klienten (Schüler) im Zusammenwirken des Moderators, des Klienten, der Lehrkraft und der Eltern.

2. Eine Phase der Ermittlung von Dingen (Schulfächer, Verhalten), die besser laufen können als in Phase 1.

3. Eine Skalierung von 1-10 und danach die Formulierung des Förderplans mit genauen Zeitangaben.

Das Verfahren hat eine Zeitdauer von ca. 45 Min., die Anwesenheit von Lehrkräften, die den Schüler unterrichten ist wichtig, ebenso die der Eltern (Erziehungsberechtigten).

Ein Nach-Gespräch zeitnah (4-5 Wochen) wird vereinbart zur Evaluation.

Das Modell wurde mehrfach mit Erfolg angewandt und es lässt sich auf  Beratungssituationen übertragen. Im Buch sind einzelne Förderplan – Gespräche im Wortlaut wiedergegeben. Auch die Methode ist anschaulich geschildert.

Ein gelungenes Beispiel wie Universität in die Praxis wirken kann.

Karl Hagemeister Juni 2012

Das Buch ist in der Edition Z erschienen, hat 130 Seiten und kostet 17 €.

Gerade für die Phase der Pubertät (13-18 Jahre) gibt die holländische Psychologin und Therapeutin M. Delfos hilfreiche Analysen und Hinweise, die beim Umgang mit Jugendlichen helfen.

Das Buch beginnt mit einer entwicklungspsychologischen Analyse von Kindern und Jugendlichen unter Berücksichtigung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse. Mögliche Störungen werden thematisiert und in den Ursachen besprochen.

Der Teil Gesprächsführung ist für Lehrkräfte sehr hilfreich, denn es wird über Haltung und Inhalte immer an praktischen Fällen deutlich gemacht, wie wichtig eine Kommunikation auf Augenhöhe ist und wie diese erfolgreich wird, auch mal in einem anderen Setting wie Spaziergang (Bewegungsaspekt) oder Ähnlichem. Einige Tabellen und Schemata können helfen, ein Gespräch vorzubereiten und durch Fragetechniken professionell zu führen.

Im Kapitel „Moderne Kommunikationsmittel“ wird deutlich wie schnell in diesem Gebiet Veränderungen stattfinden. Ausführlich schildert die Verfasserin den Umgang mit Internet, Handy, SMS, Chatten. Die Bedeutung von Facebook war aber 2007 noch nicht so virulent. In diesem Jahr ist das Buch erschienen und erfuhr zu Recht einige Neuauflagen. Am Ende des Buches gibt es konkrete Anregungen, was Berücksichtigung in den einzelnen Phasen der Pubertät finden kann (12-14, 14-16, 16-18, 18-21).

Eine hilfreiche Lektüre für alle, die mit Jugendlichen in einem schwierigen Alter arbeiten. Besonders für Beratungssituationen geeignet.

Karl Hagemeister Juni 2012

Das Buch ist im Beltz Verlag erschienen, hat 320 Seiten und kostet 16,95 €.

Das neue Buch von Claus Nowak und Manfred Gührs: „Sicher navigieren in interaktionellen Lernprozessen“ wendet sich an Seminarleiter, Lehrkräfte, Erzieher und Sozialpädagogen, die im Bereich des lebendigen Lernens teilnehmerzentrierten Unterricht oder andere Projekte (Beispielsweise die Ausbildung von Schülermediatoren ) anbieten.

Im ersten Teil „Kompass“ wird ausführlich dargestellt, was Berücksichtigung finden sollte bei interaktionalen Lernprozessen.
Grundlage ist das TZI(Themen zentrierte Interaktion)-modell. Wo früher kognitive Inhalte das Lernen bestimmten und der Einzelne dies „verarbeitete“, rückt jetzt die Gruppe ins Zentrum und deren Entwicklung, ohne das Individuum außer Acht zu lassen.
Die Phasen Orientierung, Vertrautheit und Konsens in der konstruktiven Gruppenarbeit bis hin zu Fazit, Abschied und Transfer werden erläutert und für die Anleitung differenziert erklärt.
Durch kreative Übungen wie Bewegung, Malen, Rollenspiele werden die Erlebnisebenen variiert. Ebenso wird erläutert wie Erlebnistiefe gesteuert und die Aufarbeitung dieser gelingt. Weiterhin ist es wichtig die Arbeitsform/Sozialform festzulegen. Auch dies wird ausführlich angesprochen.

Im zweiten Teil „Methodische Grundmuster“ werden geeignete Methoden genannt, die Anwendung finden können, wenn interaktionale Lernprozesse in Gruppen stattfinden.
Hier finden sich eine Reihe Übungen, die praxisgerecht jeweils auf einer Seite dargestellt sind. Ein Fundus von dem das eine oder andere AnleiterInnen schon bekannt ist. Die methodischen Anmerkungen sind eine Hilfe, wann eine solche Übung sachgerecht angeboten werden kann.

Das Buch ist zu empfehlen für Beratungslehrkräfte, die neben Einzelgesprächen auch mit Gruppen arbeiten. Besonders hervorzuheben ist die hohe Praxisnähe der Kapitel, ohne das der theoretische Input zu kurz kommt.

Karl Hagemeister Oktober 2011

Das Buch ist erschienen im Verlag Christa Limmer 2011 176 Seiten für 26,00 €  (www.limmer-verlag.de)

Über das Buch: Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben von Ben Furman

Der finnische Autor und Facharzt für Psychiatrie Ben Furman hat ein, wie ich finde, sehr bewegendes Buch geschrieben:

„Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“

Er räumt mit der auch in der Pädagogik weit verbreiteten Schlussfolgerung: „Du hattest eine schwere Kindheit, aus dir kann kein glücklicher, normaler Mensch werden!“ auf.

Furman: „Die Frage, wie unsere Kindheit uns beeinflusst, mag komplizierter sein, als wir es gewohnt sind zu denken. … Der Mensch ist keine Billardkugel, bei der die Reaktion auf die Karambolage mathematisch berechenbar ist.“ [1]

Anhand von vielen Einzelschicksalen und in einer leicht verständlichen Sprache beschreibt er, wie Menschen, deren Leben durch schwierige Umstände und harte Schicksalsschläge nicht so verlief, wie sie es sich gewünscht hätten, oder was wir gemeinhin als glücklich bezeichnen, dennoch ein zufriedenes und glückliches Leben führen können. Dabei geht es ihm immer wieder um das Entdecken von Kraftquellen, von Ressourcen, die Menschen zu jeder Zeit („es ist nie zu spät“!) dazu verhelfen können, sich aus negativen Gefühlen zu befreien.

Wenn die Eltern aus verschiedenen Gründen nicht zur Verfügung standen, suchte sich das Kind andere Menschen, die Halt, Geborgenheit und Orientierung gaben. Wenn verwirrende Lebensumstände das Kind oder den Jugendlichen überforderten, half jemand, der sagte: „Du hast alles richtig gemacht, wie klug du gehandelt hast in einer so schwierigen Situation!“

Hier einige Beispiele dafür, was laut Furman Menschen geholfen hat, ihre Kindheitserlebnisse zu bewältigen: andere Menschen, die Natur, die Fantasie, Schreiben und Lesen, andere Mittel (gute Leistungen in Schule und Beruf, Hobbys, Religion, Familie, Therapie…).
Überzeugend ist das Buch durch die vielen Schilderungen von Kindheitserlebnissen und späteren Werdegängen von Menschen, die Furman ihre Geschichte erzählt haben. Oft sind traurige, schlimme Geschichten dabei, die den Leser dennoch zuversichtlich stimmen, da es immer die Wendungen zum Positiven, zu einem zufrieden stellenden Leben gab.

Am Ende seiner Recherchen für dieses Buch nennt Furman einige Gedanken und Grundsätze, die unsere Einstellung und die Qualität unseres Lebens verbessern können, z.B.:

  • „Schätze es, wie du Schwierigkeiten in deinem Leben überwunden hast.
  • Siehe Probleme, die dir begegnet sind, als Prüfsteine, die dich als Mensch weitergebracht haben.
  • Merke dir die Ressourcen, die in dir sind und um dich sind; es gibt mehr davon, als du ahnst.
  • Schätze deine Entwicklung und deine Erfolge und richte deine Aufmerksamkeit auf Zeichen, die dafür sprechen, dass du auf dem richtigen Weg bist.“ [2]

Es bereitet Freude, dies Buch zu lesen, weil es Hoffnung und Mut macht, zum einen für das eigene Leben, (auch als Eltern und im Freundeskreis) schwierige Situationen einordnen und damit umgehen zu lernen, zum anderen als Lehrer und Berater Kindern und Jugendlichen gegenüber, gelassener und voller Vertrauen in deren eigene Kraft zu sein. Die Gewissheit, dass es nicht stets nur den einen richtigen Weg gibt, sondern viele verschiedene Wege geben kann, ein (glückliches) Leben zu führen; diese Gewissheit entspannt und kann Kraft und Vertrauen für die weitere Arbeit geben.

Ein für mich wichtiges Buch!

Elisabeth Panten, im September 2011


[1]Ben Furman in: „“Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“, S. 97; borgmann publishing, 1999

[2] Ben Furman in: „“Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“, S. 99; borgmann publishing, 1999