Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben

Neue Rubrik:      Buchempfehlung

An dieser Stelle werden wir zukünftig in unregelmäßigen Abständen Bücher vorstellen, die  für die Arbeit als BeratungslehrerIn nützlich sein können. Die Auswahl erfolgt  zufällig und nach Gesichtspunkten, die bei uns einen positiven Eindruck hinterlassen haben in Bezug auf die praktische Beratungsarbeit. Über Anregungen aus Beratungslehrerkreisen und auch uns nahe stehenden Menschen und Berufsgruppen würden wir uns freuen.

Den Anfang machen wir mit einem Buch, das sowohl für die Haltung zu uns selbst als auch zu unseren Klienten wichtig sein kann. Dieses Buch gibt Vertrauen und Gelassenheit, auch angesichts schwieriger Situationen einen richtigen Weg einzuschlagen, vermeintliche Fehler zu verzeihen und selbst in schwierigen Lebensumständen und Krisen nach Positivem zu suchen und auf die Kraft und die innere Klugheit zu vertrauen, die in jedem Menschen steckt. Es macht Mut, offen, wertschätzend und ohne vorgefertigte Urteile mit Menschen umzugehen, die zu uns kommen.

Über das Buch: Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben von Ben Furman

Der finnische Autor und Facharzt für Psychiatrie Ben Furman hat ein, wie ich finde, sehr bewegendes Buch geschrieben:

„Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“

Er räumt mit der auch in der Pädagogik weit verbreiteten Schlussfolgerung: „Du hattest eine schwere Kindheit, aus dir kann kein glücklicher, normaler Mensch werden!“ auf.

Furman: „Die Frage, wie unsere Kindheit uns beeinflusst, mag komplizierter sein, als wir es gewohnt sind zu denken. … Der Mensch ist keine Billardkugel, bei der die Reaktion auf die Karambolage mathematisch berechenbar ist.“ [1]

Anhand von vielen Einzelschicksalen und in einer leicht verständlichen Sprache beschreibt er, wie Menschen, deren Leben durch schwierige Umstände und harte Schicksalsschläge nicht so verlief, wie sie es sich gewünscht hätten, oder was wir gemeinhin als glücklich bezeichnen, dennoch ein zufriedenes und glückliches Leben führen können. Dabei geht es ihm immer wieder um das Entdecken von Kraftquellen, von Ressourcen, die Menschen zu jeder Zeit („es ist nie zu spät“!) dazu verhelfen können, sich aus negativen Gefühlen zu befreien.

Wenn die Eltern aus verschiedenen Gründen nicht zur Verfügung standen, suchte sich das Kind andere Menschen, die Halt, Geborgenheit und Orientierung gaben. Wenn verwirrende Lebensumstände das Kind oder den Jugendlichen überforderten, half jemand, der sagte: „Du hast alles richtig gemacht, wie klug du gehandelt hast in einer so schwierigen Situation!“

Hier einige Beispiele dafür, was laut Furman Menschen geholfen hat, ihre Kindheitserlebnisse zu bewältigen: andere Menschen, die Natur, die Fantasie, Schreiben und Lesen, andere Mittel (gute Leistungen in Schule und Beruf, Hobbys, Religion, Familie, Therapie…).
Überzeugend ist das Buch durch die vielen Schilderungen von Kindheitserlebnissen und späteren Werdegängen von Menschen, die Furman ihre Geschichte erzählt haben. Oft sind traurige, schlimme Geschichten dabei, die den Leser dennoch zuversichtlich stimmen, da es immer die Wendungen zum Positiven, zu einem zufrieden stellenden Leben gab.

Am Ende seiner Recherchen für dieses Buch nennt Furman einige Gedanken und Grundsätze, die unsere Einstellung und die Qualität unseres Lebens verbessern können, z.B.:

  • „Schätze es, wie du Schwierigkeiten in deinem Leben überwunden hast.
  • Siehe Probleme, die dir begegnet sind, als Prüfsteine, die dich als Mensch weitergebracht haben.
  • Merke dir die Ressourcen, die in dir sind und um dich sind; es gibt mehr davon, als du ahnst.
  • Schätze deine Entwicklung und deine Erfolge und richte deine Aufmerksamkeit auf Zeichen, die dafür sprechen, dass du auf dem richtigen Weg bist.“ [2]

Es bereitet Freude, dies Buch zu lesen, weil es Hoffnung und Mut macht, zum einen für das eigene Leben, (auch als Eltern und im Freundeskreis) schwierige Situationen einordnen und damit umgehen zu lernen, zum anderen als Lehrer und Berater Kindern und Jugendlichen gegenüber, gelassener und voller Vertrauen in deren eigene Kraft zu sein. Die Gewissheit, dass es nicht stets nur den einen richtigen Weg gibt, sondern viele verschiedene Wege geben kann, ein (glückliches) Leben zu führen; diese Gewissheit entspannt und kann Kraft und Vertrauen für die weitere Arbeit geben.

Ein für mich wichtiges Buch!

Elisabeth Panten, im September 2011


[1]Ben Furman in: „“Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“, S. 97; borgmann publishing, 1999

[2] Ben Furman in: „“Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“, S. 99; borgmann publishing, 1999